Der Initiativplan „Demokratiegeschichte/Ost“ markiert den Abschluss eines Projekts, das im Frühjahr 2023 als Auftrag des Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland, Carsten Schneider, an die GEDG, startete. Ziel war es, einen fundierten Überblick über zentrale Kapitel der ostdeutschen Demokratiegeschichte zu erarbeiten, relevante Akteure und Institutionen sichtbar zu machen und Impulse zu geben, wie demokratiegeschichtliche Themen zur Stärkung demokratischer Identität in den neuen Bundesländern stärker vermittelt werden können.

Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Ostdeutschland eine lange, aber im öffentlichen Bewusstsein oft unterschätzte Tradition demokratischer Auseinandersetzungen besitzt: von frühen Forderungen nach Rechtssicherheit und Teilhabe über konstitutionelle Ansätze im frühen 19. Jahrhundert, zivilgesellschaftliche Mobilisierung wie beim Wartburgfest 1817 bis hin zu den Umbrüchen von 1848/49. Auch die Formierung von Arbeiter- und Frauenbewegung hatte prägende Orte und Ereignisse in Ostdeutschland – ebenso wie demokratische Aufbrüche nach 1918, die Weimarer Verfassungsgeschichte in Weimar, der schwierige Neubeginn nach 1945 und schließlich die Friedliche Revolution 1989 mit der Transformationszeit als zentraler Bezugspunkt.
Methodisch stützte sich das Projekt neben Eigenrecherchen und Fachliteratur auf sieben Workshops sowie den Austausch mit mehr als 50 Einrichtungen und Akteurinnen/Akteuren aus Forschung und Vermittlung. So wurden Leerstellen, erinnerungskulturelle Schieflagen und zugleich bereits gut verankerte Themen systematisch identifiziert. Im Frühsommer 2024 begann die Verschriftlichung; zusätzliche Impulse lieferte die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte im September 2024 in Leipzig.
Im November 2024 lag der Initiativplan druckfertig vor: ein chronologisches Gesamtresümee über rund 500 Jahre ostdeutscher Demokratiegeschichte auf knapp 160 Seiten, gestützt auf über 300 Titel. Er versteht sich nicht nur als Überblick, sondern als Impulsgeber für künftige Projekte – inklusive Hinweisen auf Kooperationspartner, Themenfelder, Kommunikationswege (u. a. neue Medien) und anstehende Jubiläen. Zugleich enthält er den Appell, demokratiegeschichtliche Förderung in Ostdeutschland fortzuführen und zu verstetigen.

Die öffentliche Präsentation fand am 4. Dezember 2024 im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Berlin statt – bewusst am historischen Ort des ersten Zusammentritts des Zentralen Runden Tisches der DDR. Die Veranstaltung verband die Vorstellung des Initiativplans mit einer Podiumsdiskussion („Wie funktioniert Demokratie damals und heute?“) und der Markierung des Ortes durch eine Plakette als Teil der „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“. Der Initiativplan ist online kostenlos verfügbar; das während der Arbeit entstandene Netzwerk soll als Basis weiterer Kooperationen dienen.
Der Initiativplan ist über die Website der GEDG als Download oder Bestellpublikation erhältlich.
Titelbild: Stephan Hilsberg in der Podiumsdiskussion zur Geschichte und Relevanz des Zentralen Runden Tisches an seinem ersten Tagungsort mit Nine-Christine Müller, Juliane Baruck und Gesine Oltmanns, 4. Dezember 2024 (Christian Faludi/GEDG)


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