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Aug. 26

Thementage „Industriekultur“ in Riesa – Erzählcafé

Industriekultur ist mehr als Backstein und Maschinen: In vielen Städten der DDR war der Betrieb Arbeitsplatz, Sozialstaat und Identitätsanker zugleich. Zwischen 1989 und 1994 riss diese Ordnung in kürzester Zeit auf. Mit der Währungsunion gerieten Betriebe in einen Wettbewerb, für den ihnen Kapital, Technik und Märkte fehlten; Privatisierung und Stilllegungen prägten den Alltag. Für viele bedeutete das nicht nur Einkommensverlust, sondern den Bruch sozialer Netze, Anerkennung und Zugehörigkeit – und damit eine Transformation, die bis heute nachwirkt.

Genau hier setzte das Erzählcafé beim Thementag „Industriekultur“ am 26. August 2025 an – in der Elbland Kunsthalle Riesa, einem ehemaligen Heizhaus des Muskator-Werks. Die Atmosphäre des Industriegebäudes machte das Thema unmittelbar spürbar. Moderiert von Lena-Marie Forkel berichteten Volker Herold und Dirk Haubold aus Jugend- und Arbeitswelt im Stahlwerk: vom Betrieb als kulturellem Zentrum, von Unsicherheit und Aufbruch 1989, von Demonstrationen als „Grenzerfahrung“ – und vom schmerzhaften Moment, als Qualifikationen und Lebensleistungen plötzlich entwertet wurden. Gleichzeitig kamen auch ambivalente Erfahrungen zur Sprache: neue Möglichkeiten durch Umschulung, kleinere Betriebe oder Engagement – aber oft begleitet von Risiko, Frust und dem Gefühl begrenzter Wirkmacht. In der kleinen Runde entstand ein Gespräch, das persönliche Biografien mit Stadtgeschichte verband und zeigte, wie Industriekultur als Erinnerung an Arbeit, Gemeinschaft und Brüche weiterlebt.

Titelbild: Die Zeitzeugen Dirk Haublod und Volker Herold beim Erzählcafé, moderiert von Lena-Marie Forkel (GEDG) in der Elbland Kunsthalle Riesa, 26. August 2025 (Christian Faludi/GEDG)

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