Hiddensee verbindet Rollen, die in der DDR eng ineinandergriffen: Urlaubsparadies, Grenzgebiet und Rückzugsraum für Regimekritiker. In der Transformation wurde diese Mischung politisch: Während alte Regeln wegfielen, blieben knappe Ressourcen, Konflikte um Wohnraum und die Frage, wer über die Zukunft der Insel entscheidet.
Bei der Podiumsdiskussion am 21. September 2025 im Figurentheater Homunkulus diskutierten Christiane Wolff und Marion Magas, Burkhard Bley sowie Hasso Spode – moderiert von Liane von Billerbeck. Spode skizzierte die „fünf Säulen“ des DDR-Urlaubs: FDGB-Feriendienst, betriebliche Urlaube, Individualurlaub (oft Camping), „Schattentourismus“ mit inoffiziellen Übernachtungen sowie Auslandsreisen über das Reisebüro.
In den Erinnerungen wurde greifbar, wie unterschiedlich Kontrolle vor Ort wirkte: Grenztruppen und Volkspolizei waren präsent, gleichzeitig existierten Arrangements und Freiräume – während Bley den Blick auf tödliche Fluchtversuche über die Ostsee lenkte. Danach rückten Inselkonflikte der späten 1980er Jahre ins Zentrum: das Gefühl, gegenüber Partei-Eliten zurückzustehen, knappe Baumaterialien und der Streit um das Ausbauprojekt „Haus am Hügel“. Die Diskussion machte deutlich, dass „Urlaubskultur“ in den frühen 1990ern auch eine Aushandlung über Teilhabe, Eigentum und Gestaltungsmacht war.
Titelbild: Auf der Bühne des Figurentheaters Homunkulus diskutieren (von rechts): Hasso Spode, Marion Magas, Burkhard Bley und Christiane Wolff, Liane von Billerbeck moderiert das Gespräch, 21. September 2025 (Christian Faludi/GEDG)


Comments are closed.