Wie funktionierte demokratische Mitgestaltung im Umbruch – und wo stieß sie an Grenzen? Genau diese Fragen stehen im Zentrum von UM/BRUCH, dem Projekt der Gesellschaft zur Erforschung der Demokratie-Geschichte (GEDG). Am Beispiel lokaler Erfahrungen wird sichtbar, dass Demokratie 1989/90 nicht nur „stattfand“, sondern vor Ort organisiert, moderiert und gelernt werden musste – oft unter Zeitdruck, Unsicherheit und in einer Lage, in der alte Institutionen an Legitimation verloren und neue erst entstehen mussten.
Einen besonders dichten Zugang eröffnete das Erzählcafé am 22. Mai 2025 in Halle (Saale), ausgerichtet im Stadtmuseum Halle (Saale). In bewusst lockerer Atmosphäre (Kaffee, Getränke, Snacks) berichteten Christel Riemann-Hanewinckel, Torsten Hahnel und Wolfgang Schuster von ihren Erfahrungen mit Protesten, Gewaltandrohung, kirchlich getragenen Dialogformaten und dem Aufbau des städtischen Runden Tisches. Deutlich wurde: Der Runde Tisch war kein Parlament, sondern ein problemorientiertes Übergangsgremium, das Anliegen bündelte, Empfehlungen aussprach und zwischen Bürgerschaft und weiterhin tätiger Verwaltung vermittelte – ein lokales Experimentierfeld politischer Selbstorganisation nach Jahrzehnten der Bevormundung.
Im Anschluss entwickelte das Publikum eigene Fragen und Erinnerungen: Wie akzeptiert war der Runde Tisch? Waren Protokolle zugänglich? Was geschah nach den Kommunalwahlen? Gerade diese offene Suchbewegung machte den Wert des Formats aus: nicht „fertige Antworten“ zu liefern, sondern Gesprächsräume zu eröffnen – und die Vielschichtigkeit von Umbrucherfahrungen sichtbar zu machen.
Titelbild: Diskussionsrunde im Erzählcafé im Christian-Wolff-Saal des Stadtmuseums Halle (Saale), 22. Mai 2025 (Christian Faludi/GEDG)


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