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Mai 23
Liane von Billerbeck, Jes Möller, Christopher Banditt und Tine Stein (von links) auf dem Podium zum Thema Verfassungsfragen, Halle (Saale) 22. Mai 2025 (Christian Faludi/GEDG)

Thementage „Verfassungsfragen“ in Halle (Saale) – Podium

Die Verfassungsfrage wirkt bis heute nach: Wer durfte 1989/90 über die künftige Ordnung entscheiden – und wie „eigen“ konnte Demokratie in dieser Übergangszeit gestaltet werden? Der Entwurf des Zentralen Runden Tisches für eine neue DDR-Verfassung steht exemplarisch für hohe demokratische Ambitionen, aber auch für die Dynamik, die viele Pläne überholte: Währungsunion, Einigungsprozess, Zeitdruck – und das Gefühl mancher Ostdeutscher, politisch „fremdbestimmt“ worden zu sein.

Daran knüpfte die abendliche Podiumsdiskussion am 22. Mai 2025 an, moderiert von Liane von Billerbeck. Auf dem Podium diskutierten Tine Stein, Jes Möller und Christopher Banditt – mit dem Publikum als spürbar aktivem Gegenüber. Zentrale Punkte: Umfragen deuten darauf hin, dass 1990 häufig eher der Wunsch nach schneller wirtschaftlicher Stabilisierung überwog als ein klarer Auftrag, das Grundgesetz sofort zu übernehmen. Gleichzeitig stand die normative Idee im Raum, die DDR-Bevölkerung habe sich das Recht „verdient“, über eine eigene Verfassung in einem Volksentscheid abzustimmen – als symbolisch gleichberechtigter Schritt in die Einheit.

Diskutiert wurde auch, was möglich gewesen wäre: eine gesamtdeutsche Verfassung nach 1990, bestätigt durch Volksabstimmung – als gemeinsames Bekenntnis und potenzieller Anker gegen Entfremdung. Zugleich wurde deutlich, dass die Debatten der frühen 1990er Jahre durchaus Spuren hinterließen: etwa beim Umweltstaatsziel, Datenschutz und Gleichstellungsauftrag. Das Podium machte damit sichtbar, wie sehr Verfassungsfragen eine Brücke zwischen damaliger Mitgestaltung und heutigen Akzeptanzproblemen politischer Ordnung bilden.

Titelbild: Liane von Billerbeck, Jes Möller, Christopher Banditt und Tine Stein (von links) auf dem Podium zum Thema Verfassungsfragen, Halle (Saale) 22. Mai 2025 (Christian Faludi/GEDG)

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2025/26 Gesellschaft zur Erforschung der Demokratie-Geschichte (GEDG)