Queere Transformationsgeschichte ist kein „Nischenthema“, sondern Teil der Demokratiegeschichte: Wer konnte sich organisieren? Welche Rechte wurden erstritten – und wo entstanden neue Verletzlichkeiten? Gerade angesichts aktueller queerfeindlicher Mobilisierung ist die Erinnerung an die lange Emanzipationsarbeit seit den 1970er Jahren mehr als Rückblick: Sie setzt historische Erfahrung gegen das Narrativ, queere Vielfalt sei eine „Mode“.
Vor diesem Hintergrund diskutierte das Podium am 7. Dezember 2025 in der Gedenkstätte Berliner Mauer – moderiert von Liane von Billerbeck – die Möglichkeiten und Grenzen queerer Mitgestaltung im Umbruch. Neben Zeitzeuge Peter Rausch sprachen Paula Kreutzmann und Barbara Wallbraun. Ein Einstieg war die Frage, wie der Begriff „queer“ historisch verwendet werden kann: In der DDR unüblich, heute aber als Sammelbegriff hilfreich, um Vielfalt zu benennen – auch dort, wo sich rückblickend keine eindeutigen Labels zuordnen lassen. Anschließend ging es um Organisationsformen: die schwierige Vereinsarbeit der HIB in den 1970ern, die Bedeutung kirchlicher Netzwerke in den 1980ern und die Rolle des Unabhängigen Frauenverbands als feministisches und lesbisches Sprachrohr in der Übergangszeit. Deutlich wurde zudem, wie stark die 1990er Jahre von Alltagsdruck (Arbeitslosigkeit, Kinderbetreuung), Ost-West-Konflikten und gegenseitigen Verdächtigungen geprägt sein konnten – ohne die langfristigen Erfolge zu negieren. Zum Schluss stand ein gemeinsamer Befund: Viele Grundlagen der heutigen Infrastruktur queerer Interessenvertretung wurden damals gelegt, sind aber politisch und finanziell keineswegs selbstverständlich.
Titelbild: Paula Kreutzmann (links), Peter Braun und Barbara Wallbraun bei der Podiumsdiskussion in der Gedenkstätte Berliner Mauer, 7. Dezember 2025 (Christian Faludi/GEDG)


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